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Rodderberg

Koordinaten: R 2584 120, H 5613 350

Lage: Südlich von Bonn-Mehlem

Alter: Quartär, weniger als 800 000 Jahre

Zugang: B9 von Bonn-Zentrum nach Süden, in Bonn-Mehlem abzweigen Richtung Wachtberg-Niederbachem, nach wenigen 100 m an einer Ampelkreuzung nach links in die Vulkanstraße abbiegen und dieser folgen zum Parkplatz. Mit Bonner öffentlichen Verkehrmitteln bestens erreichbar.

Der Rodderberg ist ein Vulkan. Anders als im Siebengebirge auf der anderen Rheinseite ist hier das Vulkangebäude als Landschaftsform erhalten geblieben. Dies liegt am geringeren Alter: Während der 25 Millionen Jahre alte, große Siebengebirgsvulkan stark abgetragen wurde, ist der weniger als 800 000 Jahre alte Rodderberg-Vulkan noch fast in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben. Es handelt sich allerdings hier nur um eine relative unscheinbare Vulkanform, einen Tuff- und Schlackenring. Als Tuff bezeichnet man ein Gestein aus mehr oder weniger verfestigter Vulkanasche, also aus dem körnigen Auswurfmaterial des Vulkans. Schlacken sind flüssig ausgeschleuderte Lavafetzen, die in der Luft oder am Boden erstarren. Beides ist am Rodderberg zu finden. Die Senke, in deren Mitte das Reitergut Broichhof liegt, stellt den ehemaligen Krater dar (Abb.1). Der Tuff- und Schlackenring bildet den ringförmigen Wall, der die Senke umgibt. Der höchste Punkt, der eigentliche Rodderberg, liegt im Südostteil des Rings.


Der Krater ist eine breite Senke mit einem Duchmesser von ca. 800 m, dessen tiefste Stelle beim Broichhof auf 147 m ü. NN liegt. Eine Bohrung, die dort vor einigen Jahren durchgeführt wurde, hat gezeigt, dass der Krater mindestens 55 m tief mit Löss gefüllt ist, der nach dem Ausbruch des Vulkans als äolisches Sediment (vom Wind transportierter Staub) während einer Kaltzeit abgelagert wurde. Da der Broichhof ohnehin schon tiefer liegt als die Oberfläche des devonischen Grundgebirges im Umkreis des Kraters, muss beim Ausbruch des Vulkans also ein über 55 m tiefes Loch in den Untergrund gesprengt worden sein. Der Rodderberg ist damit vor allem eine negative Landschaftsform, so wie auch die Maare der Eifel. Solche Sprengkrater entstehen durch phreatomagmatische Explosionen, wenn aufsteigendes Magma mit Grundwasser in Berührung kommt und dieses schlagartig verdampft. Nach der initialen „Sprengung“ kam es zu einer ruhigeren Auswurftätigkeit, die vielleicht der heutigen Tätigkeit des Stromboli ähnelte. Die Produkte dieses Aschen- und Schlackenwurfs haben den Ringwall aufgebaut.

Tuffe und Schlacken des Kraterrands sind an der Außenseite des Walls südwestlich vom Broichhof gut aufgeschlossen (Abb. 3), sowie in einer ehemaligen Tuffgrube nordwestlich unterhalb der Nordwestecke des Walles, die heute als Naturdenkmal unter Schutz steht. Der Tuff enthält viele kleine und große Schollen von dem im Untergrund anstehenden Gestein, Sandsteinen und Tonschiefern des Devons, die beim Ausbruch mitausgeworfen wurden. In der Tuffgrube ist auch ein Gang aus massivem, basaltähnlichem Magma (Leuzit-Nephelinit) aufgeschlossen. Diese Schmelze drang in einer Spalte empor und erstarrte darin. Der Gang, also die Füllung der Spalte, wurde beim Abbau freigelegt und als Felsplatte herauspräpariert (Abb.2). Das Alter des Vulkans ist nicht genau bekannt. Er ist jedenfalls jünger (wahrscheinlich bedeutend jünger) als 800 000 Jahre, da er auf der sogenannten Jüngeren Hauptterrasse sitzt. Dies ist die Verebnungsfläche, die auch das Plateau des Venusbergs bildet. Die Jüngere Hauptterrasse ist der von Flussschotter bedeckte Talboden eines ehemaligen, sehr breiten Rheintales, das vor etwa 800 000 Jahren bestand. Eine Datierung mit der Thermo-Lumineszenz-Methode hat für das Alter der letzten Ausbrüche des Rodderbergs 250 000 bis 310 000 Jahre ergeben (Blanchard, 2002). Nach der Bildung des Vulkans lagerte sich Löss im Krater ab. Löss ist feines Schluff-Material, das während Kaltzeiten aus den großen, vegetationslosen Ebenen vor der Front der Gletscher verweht und an anderen Orten, besonders in Windschatten-Positionen wie z.B. im Rodderberg-Krater und in seiner Umgebung (Abb.4), abgelagert wird.

 

Rodderberg Krater

Abb. 1: Luftbild des Rodderberg-Kraters.

Foto: Geographisches Institut, Universität Bonn


Rodderberg_ehemalige Tuffgrube

Abb. 2:
Durch den Tuffabbau herauspräparierte Gangfüllung aus Leuzit-Nephelinit. Ehemalige Tuffgrube nordwestlich unterhalb der Nordwestecke des Ringwalls.
Foto: N. Froitzheim.

Rodderberg_Bild3

Abb. 3:
Auswurfmaterial des Rodderberg-Vulkans an der Außenseite des Walls, südwestlich vom Broichhof. In der Bildmitte Aschelagen mit großen Nebengesteinsblöcken, rechts oben flüssig oder halbfest ausgeworfene und dann verbackene Schlacken.
Foto: N. Froitzheim

 

Rodderberg_Aschelage

Abb. 4:
Feuer und Eis: Aschelagen des quartären Rodderberg-Vulkans (unterer rechter Bildteil) werden von eiszeitlichem Löss überlagert. Grube "Am Kreuzbusch" westlich des Rodderbergs.
Foto: Katrin Wellnitz

 

 

 

Weiterführende Literatur:
  • Blanchard, H. (2002): Neue Erkenntnisse zur Eruptions- und Landschaftsgeschichte des Rodderbergs bei Bonn. Unpublizierte Diplomarbeit, Universiät Bonn.
  • Meyer, W. & Stets, J. (1996): Das Rheintal zwischen Bingen und Bonn. – Sammlung Geologischer Führer, Band 89, Gebrüder Borntraeger, Berlin, Stuttgart.
  • Schmincke, H.-U. (2000): Vulkanismus. – 2. Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.
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