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Stenzelberg

Koordinaten: R 2586 680, H 5617 900

 

Lage: Südwestlich von Heisterbacherrott im Siebengebirge


Alter:
Spätes Oligozän, etwa 25 Millionen Jahre


Zugang:

Straße von Oberdollendorf nach Heisterbacherrott bis zum Parkplatz „Im Mantel“ (Haltestelle „Verschönerungsweg“ der Buslinie 521 Niederdollendorf-Oberpleis). Vom Parkplatz nach Süden auf Waldweg zum Restaurant Einkehrhäuschen. Hier scharf links abbiegen zum Steinbruch (Gehzeit 20 Minuten). Der Besuch kann gut mit dem des Weilbergs verbunden werden.

 

Achtung: Das Siebengebirge ist Naturschutzgebiet; Hämmern und Mitnahme von Steinen sind nicht erlaubt.

 

Im ehemaligen Steinbruch am Stenzelberg wurde Quarz-Latit abgebaut, ein vulkanisches Gestein aus der Tertiärzeit. Der Quarz-Latit ist Teil des heute zu großen Teilen erodierten Siebengebirgsvulkans, der im späten Oligozän entstand. Der Quarz-Latit besteht vor allem aus Feldspat, Quarz und auffallenden, bis mehrere Zentimeter großen, schwarzen Einsprenglingen von Hornblende (Abb. 1).

 

Hierbei handelt es sich um Kristalle, die sich in einer tiefgelegenen Magmenkammer bei langsamer Abkühlung der Schmelze ausschieden und die bei deren Empordringen dann mitgenommen wurden. Der Quarz-Latit floss zum großen Teil nicht an der Erdoberfläche aus, sondern erstarrte wohl kurz unter der Oberfläche zu einer ungefähr kreisförmigen Quellkuppe innerhalb des älteren, im Steinbruch nicht aufgeschlossenen Trachyttuffs. An der NW-Ecke des Steinbruchs, bei einem freistehenden, abenteuerlich geformten Felsturm (von den Kletterern als Campanile Basso bezeichnet), kommt blasig aufgeschäumter Latit vor, der an der Erdoberfläche ausgetreten ist und als Flankenausbruch des Siebengebirgsvulkans interpretiert wird (Oertel, 1953).

Eine interessante Eigenheit des Stenzelbergs sind die sogenannten Umläufer. Dies sind Gesteinskörper von der Form eines abgerundeten, senkrecht stehenden Zylinders, von 1 bis wenige m Durchmesser, die von zylindrisch-schalig angeordneten Klüften begrenzt werden (Abb. 2 bis 4). Die Entstehung von Klüften in dieser Form, und damit die Entstehung der Umläufer, ist weitgehend ungeklärt. Das Gestein zwischen den Umläufern ist massig und als Baustein geeignet, die Umläufer selbst sind sehr klüftig und deshalb unbrauchbar, weswegen sie beim Abbau stehen gelassen wurden (Abb. 2). Es liegen auch einige umgestürzte Umläufer im Steinbruchgelände herum.

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Abb. 1:
Ein Hornblende-Kristall als Einsprengling im Quarz-Latit des Stenzelbergs, daneben eine Zeichnung der Hornblende-Kristallform. Am Einsprengling ist die Kristallform schön zu erkennen. Die Einbuchtung rechts unten ist dadurch entstanden, dass der Kristall von der Schmelze wieder angelöst wurde.
Foto: N. Froitzheim.


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Abb. 2:
Stehengelassener Umläufer
Foto: N. Froitzheim








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Abb. 3:
Das obere, abgerundete Ende eines Umläufers am Stenzelberg
Foto: N. Froitzheim.

 

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 Abb. 4:

Räumliche Darstellung eines Umläufers und seines tektonischen Inventars

(Haralambous & Vogelsang, 1955)

 

 

 

Weiterführende Literatur:
  • Frechen, J. (1971): Siebengebirge am Rhein – Laacher Vulkangebiet – Maargebiet der Westeifel. – Sammlung Geologischer Führer, Band 56, Gebrüder Borntraeger, Berlin, Stuttgart.
  • Haralambous, A. & Vogelsang, D. (1955): Über die Entstehung der „Umläufer“ am Stenzelberg im Siebengebirge. – Neues Jb. Geol. Paläont. Mh. 1955/2, 53-59.
  • Meyer, W. & Stets, J. (1996): Das Rheintal zwischen Bingen und Bonn. – Sammlung Geologischer Führer, Band 89, Gebrüder Borntraeger, Berlin, Stuttgart.
  • Oertel, G. (1953): Der Flankenausbruch des Siebengebirgsvulkans am Stenzelberg. – Geol. Rundschau 41, 59-66.
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