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Korallen zeigen Erwärmungstrend im 20. Jahrhundert

Der westliche indische Ozean hat sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts von allen tropischen Ozeanen am schnellsten erwärmt, was immens zum globalen Anstieg der Meerwassertemperaturen beigetragen hat. Die genauen Zusammenhänge offenbart nun eine Studie, die in Nature Scientific Reports unter Beteiligung des Bonner Geowissenschaftlers Michael Weber erschienen ist.

„Der zeitliche Verlauf dieser Erwärmung ist nicht gut erfasst. Er hängt stark von der jeweiligen historischen Temperatur-Rekonstruktion ab“, erläutert die Erstautorin der Studie, Miriam Pfeiffer von der RWTH Aachen. Alle bisherigen Daten stammten aus dem International Ocean-Atmosphere Dataset, das weitgehend aus Temperaturdaten besteht, die entlang kommerzieller Schiffsrouten seit den 1850er Jahren gemessen wurden. „Es ist nicht einfach festzustellen, welche der Daten den Temperaturverlauf am besten wiedergeben,“ ergänzt Pfeiffer. „Unterschiedliche Messmethoden verursachen abweichende Werte, die aufwendig korrigiert werden müssen. Daher sind unabhängige Daten, die unter anderem aus tropischen Korallen gewonnen werden, wichtig.“

Für die Bohrung der Korallen wurde ein schonendes Verfahren entwickelt, das den Korallenkolonien nicht schadet. Die Temperaturmessungen wurden an Bohrkernen lebender Steinkorallen der Gattung Porites durch, die in den Seychellen und dem Chagos Archipel gewonnen wurden. Anhand der Kerne wurde eine unabhängige Temperatur-Rekonstruktion für den westlichen indischen Ozean vorgenommen. Hierzu die geochemische Zusammensetzung des Korallenskelettes untersucht, die sehr deutlich Temperaturschwankungen über viele Jahrzehnte aufzeichnet.

Die Ergebnisse zeigen, dass systematische Messfehler während des Zweiten Weltkriegs die Unterschiede zwischen den Temperatur-Rekonstruktionen verursacht haben. Dies wirkt sich auf den errechneten Erwärmungstrend des Indischen Ozeans und der globalen Mitteltemperaturen während des 20. Jahrhunderts aus.

Die Messwerte tragen dazu bei, dass man das richtige Temperaturprodukt verwenden kann, welches für weitere Modell-Simulationen des zukünftigen Klimas sinnvoll ist. Die Ergebnisse zeigen auch, dass einige Teile der Tropen, wie die Seychellen und das Chagos Archipel, besonders gut geeignet sind, um eine globale Erwärmung zu erkunden.

„Es ist sehr gut zu wissen, dass wir in diesem Fall dem Modell des Hadley Centres vertrauen können, denn nur mit Hilfe guter Modelle werden wir im Stande sein, künftige Klimatrends zuverlässiger vorherzusagen,“ ergänzt Michael Weber vom Steinmann-Institut, der bei der Auswertung und Interpretation der Daten mitwirkte.


Publikation: M. Pfeiffer, J. Zinke, W.-C. Dulla, D. Garbe-Schönberg, M. Latif & M.E. Weber: Indian Ocean corals reveal crucial role of World War II bias for twentieth century warming estimates, Scientific Reports, DOI: 10.1038/s41598-017-14352-6.
Internet: https://www.nature.com/articles/s41598-017-14352-6

 

Pressemitteilung der Universität Bonn: https://www.uni-bonn.de/neues/korallen-zeigen-erwaermungstrend/

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