One Two

Dachsbusch

Koordinaten: R 3743 940, H 55 87 884

Lage: zwischen Wehr und Glees

Alter: Quartär, weniger als 800 000 Jahre

Zugang: Anfahrt über die Strasse von Wehr nach Glees. 200 m nach der Autobahn-Unterführung (A61) zweigt hinter einer Solarenergieanlage links ein befahrbarer Feldweg ab. Diesen entlang bis zum Parkplatz. Von hier aus beschildeter Fussweg bis in den Steinbruch.


Die Entwicklung des Dachsbusch-Vulkans in 6 Akten

Die Entwicklung des Dachsbusch-Vulkans in 6 Akten


A: vor ca. 215 000 bis 190 000 Jahren: Auf einem Untergrund aus Sandsteinen und Tonschiefern des Devon bildet sich ein kleiner Vulkan,  ein Schlackenkegel. Schlacken sind Stücke von Lava, die im flüssigen Zustand ausgeworfen werden und im Flug oder am Boden erstarren (Abb. 1). Auch große, runde Lavabomben werden ausgeworfen (Abb. 2).  So etwas kann man heute am Stromboli beobachten, deshalb spricht man von strombolianischer Aktivität.

Schlackenkegel Dachsbusch

Abb. 1:  Rote und graue Lavastücke aufgetürmt zum Schlackenkegel des Dachsbusch-Vulkans.  Foto: N. Froitzheim

 

bombe Dachsbusch

Abb. 2:  Eine Lavabombe die aus dem Schlot katapultiert wurde.  Foto: N. Froitzheim

 

B: Gegen Ende der Aktivität des Dachsbusch-Vulkans kam es durch den Kontakt der über 1000° heissen Schmelze mit Grundwasser zu Wasserdampfexplosionen (sogenannte phreatomagmatische Aktivität). Das dabei ausgeworfene Material lagerte sich als rötliche Tufflagen am Abhang des Schlackenkegels ab. Es enthält viele Stücke von devonischem Sandstein und Schiefer, die aus dem Devon-Sockel herausgesprengt wurden (Abb. 3).

Tufflagen Dachsbusch

Abb. 3: Rote Tufflagen am Abhang des Schlackenkegels. Der eckige Brocken in der Mitte besteht aus devonischem Sandstein, der aus der Wand des Vulkanschlotes gesprengt wurde.  Foto: N. Froitzheim

 

C: vor etwas mehr als 150 000 Jahren (wahrscheinlich): Der Dachsbusch-Vulkan ist erloschen. Wir befinden uns in einer Kaltzeit (Saale-Kaltzeit). Durch das Auftauen und Wiedergefrieren „kriecht“ der Boden langsam  die Abhänge hinunter. Dies tut auch der oberflächennahe Teil der Roten Tuffe. Durch das Bodenkriechen werden die Tuffschichten „herumgeklappt“ und so zu einer Falte geformt (Abb. 4).

Rutschfalte Dachsbusch

 Abb. 4: Die Tuffschichten liegen als Falte vor, da sie durch Bodenkriechen deformiert worden sind.   Foto: N. Froitzheim

 

D: Immer noch in der gleichen Kaltzeit: Wind bringt Staub heran, der als Löss die Oberfläche des Vulkans bedeckt. Löss ist eine gelbliche, feinkörnige Ablagerung, die typisch für Kaltzeiten ist. Vom Gipfel des Vulkans kommen vulkanische Gesteinsbrocken herabgerollt und gerutscht, die sich mit dem Löss vermischen (Abb. 5, Mitte).

Tuff-Löss-Grenze

Abb. 5: Die roten Tufflagen (unten im Bild) werden von gelblichem, mit Basaltbrocken vermischtem Löss überlagert (in der Mitte). Darüber folgt mit vorspringender Kante die verfestigte Gleeser Tephra (oben im Bild).  Foto: N. Froitzheim

 

E: vor ca. 150 000 Jahren: Einige 100 m westlich vom Dachbusch bricht der Wehrer Vulkan aus. Dieser Ausbruch stellt eine „plinianische Aktivität“ dar, das heisst  es war ein großer, explosiver Ausbruch vom Stil des Vesuv-Ausbruchs zur Römerzeit (79 nach Christus) oder des Laacher-See-Ausbruchs vor ca. 12 900 Jahren.  Aus Druckwellen-,  Aschestrom- und Fallablagerungen bildet sich die Gleeser Tephra, die auch den Dachsbusch-Vulkan eindeckt und auf dem gelben Löss abgelagert wird (Abb. 5, oben). Der Wehrer Kessel, der vom Parkplatz aus jenseits der Autobahn zu sehen ist, ist eine Caldera, d.h. eine runde Senke, die durch den Einsturz der sich entleerenden Magmenkammer des Wehrer Vulkans entstanden ist.

 

F: heute: Der größte Teil des Dachsbusch-Vulkans ist zur Steingewinnung abgebaut worden. Die Grube ist also kein Vulkankrater, sondern ein Steinbruch. Der stehengebliebene Rest gewährt einen Einblick ins Innenleben des Vulkans.

 

 

 

 

Weiterführende Literatur:

  • Bogaard, P. & Schmincke, H.-U. (1990): Vulkanologische Karte der Osteifel, 1:25.000, Pluto Press Witten/Kiel.

  • Meyer, W. (2007) : Der Dachsbusch bei Wehr.  - in : Georallye - Spurensuche zur Erdgeschichte, hrsg. von v.Koenigswald, W. & Simon, K.-F, Bouvier-Verlag, Bonn.

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