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Drachenfels

Koordinaten:

 

R 25 85 570, H 5615 070  

 

Lage:

Am Rhein zwischen Königswinter und Bad Honnef

 

Alter:

25 Millionen Jahre

 

Zugang:

Wir empfehlen, von Königswinter durch das Nachtigallen-Tälchen zur Drachenburg zu gehen und von hier über den Eselsweg weiter zum Gipfel aufzusteigen. Abstieg am schönsten nach Osten zum Sattel zwischen Drachenfels und Wolkenburg, von hier nach Süden über das Ulanendenkmal nach Rhöndorf. Von dort Straßenbahn zurück nach Königswinter.

 

Achtung:

Das Siebengebirge ist Naturschutzgebiet; Hämmern und Mitnahme von Steinen sind nicht erlaubt.

 

Der Drachenfels, einer der bekanntesten Berge Deutschlands (Abb.1), wird von etwa 25 Millionen Jahre altem Trachyt aufgebaut. Schon die Römer betrieben hier Steinbrüche; von 1258 bis 1560 wurde Drachenfels-Trachyt im Kölner Dombau eingesetzt. Der Drachenfels wurde 1836 als erstes Objekt in Deutschland unter Naturschutz gestellt, um ihn vor dem kompletten Abbau zu bewahren. Der Drachenfels-Trachyt ist Teil des großen, heute teilweise erodierten Siebengebirgsvulkans. Der Trachyt trat nicht an der Oberfläche aus, sondern erstarrte als Quellkuppe innerhalb des älteren Trachyttuffs, der den größten Teil des Vulkangebäudes bildete. Dies wurde von Hans und Ernst Cloos (1927) nachgewiesen, indem sie die Raumlage der auffallenden, tafeligen Sanidinkristalle im Trachytkörper mit dem Kompass einmaßen (Abb.2 u. 3). Sanidin ist ein Kalifeldspat. Diese Kristalle, die beim langsamen Erkalten in einer tiefer gelegenen Magmenkammer wuchsen und dann beim Aufstieg des Magmas mitgenommen wurden, wurden bei der Aufblähung der Quellkuppe parallel zu deren Rändern eingeregelt. Dies ist auf die Verformung der noch zähflüssigen Schmelze zurückzuführen. Das Wissen über diese Orientierung erlaubt es, die ursprüngliche Form des Trachytkörpers auch für diejenigen Bereiche zu rekonstruieren, die heute abgetragen bzw. abgebaut sind (Abb.3 u. 4). Neben Sanidin ist im Handstück noch Biotit als kleine schwarze Pünktchen zu erkennen. Der Aufstieg von Königswinter durch das Nachtigallentälchen verläuft zunächst im Trachyttuff, der in der Nähe des Willi-Ostermann-Denkmals aufgeschlossen ist (Abb.5). Der Trachyttuff ist teilweise durch Aschenfall aus der beim Vulkanausbruch entstandenen Eruptionswolke zu erklären, teilweise zeigen die Strukturen aber auch eine Umlagerung durch Schlammströme an. Neben vulkanischer Asche enthält der Trachyttuff auch Schiefer- und Sandsteinbruchstücke aus dem devonischen Grundgebirge, die bei der explosiven Eruption mitgefördert wurden. Auf der rechten Seite des Weges ist eine Besonderheit zu sehen (Abb.5): Hier wird der Trachyttuff von schmalen Spalten durchzogen, die mit bräunlichem Sand gefüllt sind. Bei diesem Sand handelt es sich wahrscheinlich um tertiäre Ablagerungen, die eigentlich unter dem Trachyttuff liegen. Möglicherweise entstanden die Spalten nach der Ablagerung des Tuffs durch Rutschungen an den Vulkanflanken, wobei der Sand durch die Auflast des Tuffs in die dabei entstehenden Spalten aufgepresst wurde. Am Eselsweg oberhalb der Drachenburg befindet sich eine Gedenktafel für den Bonner Geologen Hans Cloos; in diesem Bereich sind die schönsten Trachyte zu sehen, an denen man die Einregelung der Sanidinkristalle erkennen kann (Abb. 2). Beim Abstieg nach Rhöndorf findet man in der Nähe des Ulanendenkmals und weiter abwärts die Schiefer und Sandsteine des devonischen Grundgebirges.

Drachenfels_Bild1

Abb. 1:

Der Drachenfels am Rhein, vom Rodderberg gesehen. Die Felsen bestehen aus Trachyt.

Foto: Niko Froitzheim

 

 

Drachenfels_Bild2

Abb. 2:
Parallel eingeregelte Sanidintäfelchen im Trachyt, von der Schmalseite der Täfelchen her gesehen. Eselsweg von der Drachenburg zum Gipfel, in der Nähe der Cloos-Gedenktafel.
Foto: N. Froitzheim.

Drachenfels_Bild3




Abb. 3:
Schnitte durch die Quellkuppe des Drachenfels. Die kleinen Striche zeigen die Einregelung der Sanidintäfelchen im Trachyt. Die Einregelung kam dadurch zustande, dass nachströmendes Magma die Magmenkammer aufblähte, wodurch bereits vorhandenes Magma an den Rand gedrückt wurde.
Quelle: Cloos & Cloos (1927)

 

 

Drachenfels_Bild4

Abb. 4:
Schnitt durch die Quellkuppe des Drachenfels und den Latit-Schlot der Wolkenburg, rekonstruiert. Westen ist links.
Quelle: Wunderlich (1968) (modifiziert)

 

 

Drachenfels_Bild5

Abb. 5:

Aufschluss von Trachyttuff im unteren Teil des Nachtigallentälchens bei Königswinter. In der Bildmitte eine senkrechte Spalte, die mit (Tertiär?)-Sand gefüllt ist.

Foto: N. Froitzheim

 

 

 

Weiterführende Literatur:

 

  • Cloos, H. & Cloos, E. (1927): Die Quellkuppe des Drachenfels am Rhein, ihre Tektonik und Bildungsweise. - Z. Vulk. XI, 33-40.
  • Frechen, J. (1971): Siebengebirge am Rhein – Laacher Vulkangebiet – Maargebiet der Westeifel. – Sammlung Geologischer Führer, Nr. 56, Gebrüder Borntraeger, Berlin, Stuttgart.
  • Meyer, W. & Stets, J. (1996): Das Rheintal zwischen Bingen und Bonn. – Sammlung Geologischer Führer, Band 89, Gebrüder Borntraeger, Berlin, Stuttgart.
  • Wunderlich, H.-G. (1968): Einführung in die Geologie. Band 2: Endogene Dynamik. - BI Hochschultaschenbücher, Band 341.
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