One Two

Erpeler Ley

Koordinaten: R 2588 325, H 5605 875

Lage: Am Rhein bei Erpel (zwischen Bad Honnef und Linz)

Alter: Tertiär

Zugang: Von Erpel (B 42 von Bonn-Beuel nach Neuwied) verläuft eine schmale, kurvige Straße zum Gipfelplateau mit Gaststätte. Vom Bahnhof Erpel führt ein Wanderweg in etwa 30 Min. hinauf. Den besten Blick auf die Basaltwand hat man von der Ruine der Brücke von Remagen (Parkplatz an der B42 kurz hinter Erpel in Fahrtrichtung Linz).

 

Die Erpeler Ley liegt unmittelbar am Nordufer des Rheins direkt N Remagen. Sie erreicht am höchsten Punkt 190,9 m NN. An ihrem Steilabbruch zum Rhein sehen wir den mit Lava gefüllten Schlot eines Vulkans aus der Tertiärzeit im Querschnitt. Die Füllung des Schlots hat einen Durchmesser von ca. 400 m. Sie besteht aus Nephelin-Basanit, einem basaltähnlichen Gestein, und steckt in Ton-, Silt- und Sandsteinen des devonischen Grundgebirges (Siegen-Stufe). Der über die Umgebung aufragende Teil des Vulkans wurde "abgehobelt", als der Rhein sich in einer Kaltzeit vor ca. 800 000 Jahren durch Seitwärts-Erosion ein breites Tal schuf. Der Boden dieses Tales ist die Hauptterrasse, von der das auffallend flache Plateau oben auf der Ley als Rest erhalten geblieben ist (Abb. 1). Reste des Schotterkörpers, der den Talboden bedeckte, finden sich in Form von gerundeten Kieseln auf diesem Plateau, zum Beispiel beim Zeppelin-Denkmal am Südrand des Plateaus. Beginnend in der darauf folgenden Warmzeit, schnitt sich der Fluss durch Tiefenerosion in die Hauptterrasse ein und sägte dadurch noch einmal einen guten Teil der Schlotfüllung weg, so dass wir diese jetzt im Querschnitt sehen. (Abb. 2 & Abb. 3). Basaltsäulen entstehen nach der Erstarrung der Lava bei der weiteren Abkühlung des heißen Gesteins. Die Abkühlung führt zu einer Schrumpfung. Wenn die dadurch verursachte Spannung die Festigkeit des Gesteins überschreitet, reißen Klüfte auf, die ein polygonales Muster (Wabenmuster) bilden. Dies ist der gleiche Vorgang wie bei der Bildung von polygonalen Trockenrissen auf einer Schlammoberfläche. Im Basalt - bzw. Basanit - beginnt der Prozess an der Grenzfläche des Lavakörpers gegen das umgebende Gestein, denn hier beginnt auch die Abkühlung. Wenn die Abkühlung weiter ins Gestein fortschreitet, wachsen die Klüfte ebenfalls in den Basaltkörper hinein und behalten dabei die polygonale Anordnung bei, so dass die 4- bis 6-eckigen Polygone zu ebensolchen prismatischen Säulen heranwachsen. Bei schneller Abkühlung (z.B. von der Erdoberfläche aus) entstehen dünne Säulen, bei langsamer Abkühlung dicke.

Besonders auffallend ist, von der Rheinseite gesehen, die säulenförmige Klüftung des Basanits (Abb. 2 & Abb. 3). Die Anordnung der Basaltsäulen richtet sich nach der Form der Aussenflächen des Lavakörpers. In einem über die Erdoberfläche ausgeflossenen Lavastrom oder einem flach zwischen Sedimentschichten eingedrungenen Lagergang entstehen parallele, senkrechte Säulen, in einem senkrechten, plattenförmigen Basaltgang hingegen flachliegende Säulen. Eine etwa zylindrische Schlotfüllung wie an der Erpeler Ley führt zu komplexeren Geometrien. Einerseits kühlt das Gestein von der Oberfläche, also dem Kraterboden, aus ab, es "wachsen" Säulen in die Tiefe. Zum anderen kühlt der Schlot von seinem ungefähr zylindrischen Randkontakt her ab und die Säulen wachsen von dort zur Mitte. Unregelmäßigkeiten in der Form der Begrenzungsflächen führen zu weiterer Komplikation. Schließlich erscheint das Bild noch komplizierter, als es tatsächlich ist, wenn der betrachtete Anschnitt wie im vorliegenden Fall eine unregelmäßige Fläche ist.

Wo von den Rändern ausgehende Säulensysteme bei ihrem Wachstum aufeinander treffen, entstehen Diskontinuitäten. Eine solche sieht man sehr gut, wenn man vom Parkplatz bei der Brücke von Remagen ein kurzes Stück an der B42 in Richtung Linz weitergeht (Abb. 4). Diese Diskontinuität bemerkte schon Alexander von Humboldt (1789, im Tagebuch von Steven Jan van Geuns) und machte sich Gedanken darüber, die geprägt waren von der damaligen Kontroverse zwischen den Anhängern einer vulkanischen Entstehung des Basalts (Vulkanisten) und den Anhängern einer Entstehung als Meeresablagerung (Neptunisten):

"...doch auf dem Gipfel haben die Säulen eine ganz andere, nämlich horizontale Richtung und zeigen nach West. Diese sehr merkwürdige Erscheinung scheint mir ein ziemlich starkes Argument gegen die Vulkanität des Basalts zu liefern, da ich nicht einsehe, wie anders als durch Wasser solch ein Stück darüber gesetzt werden kann, das eine ganz andere Richtung der Säulen hat."

Hier irrte Humboldt; man beachte jedoch immerhin die vorsichtige Formulierung.

Bei der Erpeler Ley fließt der Rhein fast in westlicher Richtung, macht also einen markanten Knick, wie man vom Gipfel aus deutlich erkennt. Dies könnte mit der Ablenkung durch den harten Basanitkörper in Verbindung gebracht werden. Wichtiger ist jedoch vermutlich, dass der Rhein durch den Schwemmfächer der Ahr, die wenig weiter südlich von Westen her einmündet, nach Osten abgedrängt wurde. Nach der Einmündung pendelt der Strom nach Westen zurück und erodiert aufgrund der Fliehkraft auf der Westseite den Prallhang gegenüber von Unkel.

 

ErpelerLey_Bild1

 Abb. 1:

Auf der Erpeler Ley: Der Rand der Verebnungsfläche der Hauptterrasse und der Steilabbruch zum Rheintal.










ErpelerLey_Bild2

Abb. 2:
Der Steilabbruch der Erpeler Ley vom Rheinufer gesehen, mit fächerförmig angeordneten Basaltsäulen.
 

ErpelerLey_Bild3

Abb. 3:
Säulenklüftung an der Erpeler Ley.


ErpelerLey_Bild4

Abb. 4:

Eine Diskontinuität, die durch das Aufeinandertreffen zweier Systeme von Basaltsäulen entstanden ist. Unregelmäßige, dünnere Säulen im oberen Bildteil bildeten sich bei schneller Abkühlung von der Erdoberfläche aus, regelmäßige, dicke Säulen "wuchsen" von unten.

 

Weiterführende Literatur:

  • Meyer, W. & Stets, J. (1996): Das Rheintal zwischen Bingen und Bonn. - Sammlung Geologischer Führer, Band 98. Gebrüder Borntrager, Berlin, Stuttgart.

  • Schmincke, H.-U. (2000):Vulkanismus - 2. Auflage. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.

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