One Two

Kutzenberg

Koordinaten: R 2585 520, H 5616 810

Lage: Am Südhang des Petersbergs bei Königswinter im Siebengebirge

Alter: Tertiär (25 Millionen Jahre oder jünger)

Zugang: Straße von Königswinter nach Ittenbach bis zur Abzweigung der Straße auf den Petersberg (Mautstelle, begrenzte Parkmöglichkeit). Genau an der Abzweigung führt eine für Autos gesperrte Forststraße nach links (West bis Nordwest) in den Wald. An einer Abzweigung hält man sich links, dann weglos weiter zum Aufschluss, der nicht leicht zu finden ist. Hinweis: Er befindet sich ziemlich genau nördlich des Wintermühlenhofes (großes Gebäude im abgesperrten Areal), etwa 30 Höhenmeter den Hang hinauf. Gehzeit zirka 10 Minuten von der Mautstelle.

Achtung: Das Siebengebirge ist Naturschutzgebiet; Hämmern und Mitnahme von Steinen sind nicht erlaubt.


Auch dieser Aufschluss ist Teil der Siebengebirgs-Vulkankomplexes, der im späten Oligozän entstand. Die Förderung von Basalt, wie dem hier aufgeschlossenen, hielt allerdings noch länger an. Der Basalt gehört zu einem südwest-nordost-verlaufenden Basaltgang, der in den umgebenden Trachyttuff aufgedrungen ist. Der Aufschluss ist Teil eines ehemaligen, kleinen Steinbruchs. Besondere Beachtung verdient hier die Anordnung der Basaltsäulen in einer Rosette, auch als Sphäroid bezeichnet (Abb.1). Die Säulenklüftung von Basalt und anderen vulkanischen Gesteinen entsteht nach der Erstarrung der Schmelze, bei der weiteren Abkühlung des zunächst noch sehr heißen Gesteins. Die Abkühlung schreitet von der Außenfläche des Basaltkörpers ins Innere vor. Sie führt zur Schrumpfung, also Abnahme des Volumens; dadurch entstehen Spannungen, die schließlich zum Aufbrechen von Klüften führen. Diese Klüfte bilden zunächst im Randbereich des Basaltkörpers ein polygnales Muster (Abb. 2), ganz genau so wie Trockenrisse in einem eintrocknenden Schlamm entstehen (Abb. 3). Mit fortschreitender Abkühlung wachsen die Klüfte ins Innere des Basaltkörpers weiter, und das Gestein wird dadurch in prismenförmige Säulen zerlegt (siehe auch Aufschlussbeschreibung Weilberg).

Wenn die Außenfläche des Basaltes eben ist, entstehen parallele Säulen (Abb. 4A). Ist die Außenfläche gebogen, sind die Säulen fächerförmig angeordnet. Das könnte hier der Fall gewesen sein; in diesem Fall wären die Klüfte von unten nach oben vorgedrungen (Abb. 4B). Eine weitere Möglichkeit ist, dass entlang einer Spalte Wasser von oben her eingedrungen ist und den Basalt punktförmig abgekühlt hat (DeGraff & Aydin, 1987). Von diesem Punkt aus wären dann die Klüfte fächerförmig nach unten vorgedrungen (Abb. 4C).

 

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Abb. 1:

Das "Sphäroid" am Kutzenberg. Nach unten fächerförmig auseinanderlaufende Basaltsäulen stellen die Besonderheit dieses Aufschlusses dar.

Foto: Irma Schmid

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Abb. 2:
Säulenklüftung am Kutzenberg im Grundriss. Man sieht das polygonale Muster von Klüften, durch das die Säulen gebildet werden.








Kutzenberg_Bild3

Abb. 3:
Zum Vergleich: Trockenrisse in Schlamm bilden ebenfalls ein polygonales Muster und entstehen in der gleichen Weise wie Basaltsäulen durch Schrumpfung und Bruch.

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Abb. 4 (A-C):

Basaltsäulen entstehen durch das Vordringen von Klüften in den heißen Gesteinskörper hinein. Die Pfeile geben die Richtung der vordringenden Klüfte an:

A: Parallele Säulenbildung

B: Bildung eines Säulenfächers durch eine Unebenheit der Kontaktfläche

C: Bildung eines Säulenfächers durch punkt- oder linienförmige Abkühlung.

 

 

 

Weiterführende Literatur:
  • DeGraff, J. M. & Aydin, A. (1987): Surface morphology of columnar joints and its significance to mechanics and direction of joint growth. Bulletin of the Geological Society of America, v. 99, 605-617.
  • Frechen, J. (1971): Siebengebirge am Rhein - Laacher Vulkangebiet - Maargebiet der Westeifel. - Sammlung Geologischer Führer, Nr. 56, Gebrüder Borntraeger, Berlin, Stuttgart.
  • Meyer, W. & Stets, J. (1996): Das Rheintal zwischen Bingen und Bonn. - Sammlung Geologischer Führer, Band 89, Gebrüder Borntraeger, Berlin, Stuttgart.
  • Schmincke, H.-U. (2000): Vulkanismus. - 2. Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt.
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